Seit mich ein kleiner Dreikäsehoch begleitet, sehe ich mein Umfeld tatsächlich auch mal aus der Bodenperspektive. Es stellen sich für mich neue Fragen, meine Verantwortung ist gewachsen und auf der Suche nach meinem persönlichen Stil, wie ich mein Kind in seiner Entwicklung begleiten möchte, habe ich die Ratschläge und philosophischen Gedanken von einigen „Experten“ zu Rate gezogen.

Bei deren Lektüre habe ich wiederholt– statt nur meine Tätigkeit mit dem Kleinkind zu hinterfragen – meine Arbeit als Jobcoach reflektiert. Pädagogik statt Agogik? Soll nun das innere Kind geweckt werden? Nein, aber vielleicht ist in beiden vereint, dass die Hauptpersonen Menschen mit Bedürfnissen sind. Ich habe gelesen, dass ich – statt zu erziehen – ein gutes Vorbild sein soll. Ich soll Danke und Bitte sagen, statt dieses vom Kind einzufordern. Ich soll Alternativen aufzeigen, statt Lösungen anzubieten. Ich soll nur sehen, statt zu bewerten. Ich soll meine Bedürfnisse kennen und wahrnehmen. Genau so wie die meines Kindes, meines Partners. Ich soll nebst der Integrität Kooperation zeigen. Ich soll, statt das Kind zu erziehen, seine Persönlichkeit entdecken. (Um hier kurz eine Brainstorming wiederzugeben von dem Spagat in meinem Kopf.)

Welche dieser Ansätze wiederspiegelt nicht die Bedürfnisse aller Menschen? Sich selbst entwickeln als Teil der Gesellschaft, ohne jeden Schritt bewertet zu bekommen, ohne die Vorstellung sich in eine bestimmte Person entwickeln zu müssen um zu genügen? Und von da an spielt es keine Rolle mehr, ob man 63, 158 oder 192 cm lang ist oder immer noch Pampers Grösse 4 trägt.

Ich möchte mir beibehalten, dass ich mein Umfeld immer wieder aus anderen Perspektiven betrachte. Der Boden verliert langsam an Attraktivität, wahrscheinlich kommen nun bald die Überschläge. Und neue Fragen, neue Antworten, neue Einsichten.

Mit dem Wiedereinstieg in die Arbeit hat sich mein Leben nochmals geändert. Statt Spagat, Überschlag oder Bodenturnen hat es nun ein Hochseilakt gegeben. Hochkonzentriert, etwas Zirkus, mit dem notwendigen Überblick, versuche ich elegant von einem Ort zum anderen zu gelangen, ohne dabei in die Tiefe zu sehen. Und achtsam, wie ich balanciere, nehme ich mit, dass es genau darum geht, Achtsamkeit gegenüber meinen Mitmenschen, meinem Kind, meinen Coaches, meiner Familie, und mir. Achtsamkeit – egal welche Perspektive mich gerade fordert.

Melanie Gwerder
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