Das typ­is­che Unternehmen in der Schweiz ist ein KMU. Fast 20 Prozent der Unternehmen in der Schweiz beschäfti­gen zwis­chen 5 und 49 Mitar­bei­t­en­den. Aus der Sicht des Betrieblichen Gesund­heits­man­age­ments (BGM) ver­fü­gen diese Betriebe über eine kri­tis­che Grösse: Für die kleine Mitar­beit­erzahl wirken die beste­hen­den Ange­bote des BGM überdi­men­sion­iert und zu teuer. Kleinere Betriebe ver­fü­gen jedoch gegenüber den Gross­be­trieben einen entschei­den­den Vorteil, welch­er eine kostengün­stige, aber gle­ichzeit­ig effiziente und effek­tive und Ein­führung des betrieblichen Gesund­heits­man­age­ments ermöglicht.

Woraus beste­ht BGM?
BGM beste­ht im Wesentlichen aus drei Teilaspek­ten: Zum einen geht es um die Ermit­tlung des Gesund­heit­szu­s­tandes der Mitar­bei­t­en­den und um die Risiken von Erkrankun­gen und Unfällen im betrieblichen Umfeld. Hier wird Wis­sen gener­iert, das bei der Umset­zung von gesund­heits­fördern­den Mass­nah­men genutzt wird. Ein weit­er­er Teilaspekt ist die Entwick­lung des Unternehmens und bet­rifft nicht zulet­zt die Führungsstruk­tur und die involvierten Entschei­dungsträgerin­nen. Wie wird der Fak­tor Gesund­heit in der strate­gis­chen Pla­nung des Unternehmens berück­sichtigt? Wie wird die Betrieb­skul­tur gepflegt und gefördert, so dass die Mitar­bei­t­en­den sich sich­er fühlen und selb­stver­ant­wortlich ihren Teil zur Gesund­heit mit­tra­gen kön­nen? Der dritte Teilaspekt sind die gesund­heits­fördern­den Mass­nah­men sel­ber. Wie wer­den diese umge­set­zt, damit sie von den Mitar­bei­t­en­den akzep­tiert wer­den und wie wird die Wirk­samkeit über­prüft? Der kosten­in­ten­sivste Teil des BGM ist die Analy­sephase. Gesund­heitschecks und Mitar­beit­er­be­fra­gun­gen binden grosse interne und externe Per­son­al­res­sourcen. Auch die Mass­nah­men kön­nen ins Geld gehen, doch bei guter Pla­nung wer­den aufwendi­ge Mass­nah­men nur einge­set­zt, wenn es abso­lut erforder­lich ist.

Der entschei­dende Vorteil der KMU
In kleineren Betrieben ist die Arbeit­steilung weniger aus­geprägt als in Gross­fir­men. Oft ist es der Inhab­er oder die Geschäfts­führerin, der die Mitar­bei­t­en­den ein­stellt. Die Führungskräfte sind auch oper­a­tiv tätig und haben dadurch einen Ein­blick in den betrieblichen All­t­ag. Das bedeutet, dass die Entschei­dungsträger bere­its über ein implizites Wis­sen über den Gesund­heit­szu­s­tand der Mitar­bei­t­en­den ver­fü­gen. Natür­lich sind die Entschei­dungsträger im Unternehmen in der Regel keine Gesund­heits­fach­leute. Das müssen sie auch nicht sein. Im BGM geht es in erster Lin­ie darum, dass das Unternehmen seine Struk­turen, Strate­gien und Prozesse bezüglich der Mitar­beit­erge­sund­heit opti­miert. Und das ist eine Man­age­men­tauf­gabe.

Wie geht BGM für KMU?
Eines der effizien­testen Instru­mente, um implizites Wis­sen sicht­bar zu machen, ist der mor­phol­o­gis­che Prozess. Bei einem Kurz­work­shop vali­dieren die Entschei­dungsträger des KMU in einem struk­turi­erten Ver­fahren rund 50 gesund­heit­srel­e­vante Fak­toren ihres Unternehmens, indem sie jeden Fak­tor mit grün­er, gel­ber oder rot­er Farbe markieren, wobei dur­chaus unter­schiedliche Bew­er­tun­gen durch die anwe­senden Per­so­n­en entste­hen kön­nen. Bei der Diskus­sion, auf­grund welch­er Über­legun­gen diese unter­schiedlichen Bew­er­tun­gen zus­tande kamen, wird viel Detail­wis­sen sicht­bar.

Diese einge­färbten Fak­toren befind­en sich auf einem grossen Blatt Papi­er, ein­er so genan­nten BGM-Karte. Sie geben eine leicht ver­ständliche Über­sicht über gut funk­tion­ierende und kri­tis­che Unternehmen­saspek­te. Sie lassen auch leicht Zusam­men­hänge zwis­chen Struk­turen und Prozessen auf der einen Seite und Belas­tun­gen auf der anderen Seite erken­nen. Nach dieser dial­o­gis­chen Bew­er­tungsphase wer­den auf hypo­thetis­ch­er Ebene mögliche gesund­heits­fördernde Mass­nah­men disku­tiert und das Ver­hält­nis von Aufwand und Nutzen abgeschätzt.

Die vali­dierte BGM-Karte ste­ht dem Unternehmen auch nach dem ersten Work­shop zur Ver­fü­gung. Bei Strate­giesitzun­gen kön­nen auf der Karte inner­halb von Minuten mögliche gesund­heitliche Fol­gen eines Entschei­ds abgeschätzt wer­den. Dadurch kann man bere­its in einem frühen Sta­di­um flankierende Mass­nah­men tre­f­fen, so dass keine teuren Folgeschä­den entste­hen. So kön­nen mit der Meth­ode nicht nur gesund­heit­srel­e­vante Aspek­te sicht­bar gemacht und dial­o­gisch erste Mass­nah­men getrof­fen wer­den, son­dern die BGM-Karte ist auch ein Instru­ment und die Meth­o­d­en fördert die dafür notweni­gen Kom­pe­ten­zen, um das betrieb­seigene BGM zu steuern und nach­haltig zu imple­men­tieren.

BGM schlank wie das KMU
Das Betriebliche Gesund­heits­man­age­ment auf der mor­phol­o­gis­chen Basis belastet das Unternehmen kaum: Ein Halb­tageswork­shop mit der Geschäft­sleitung und allfäl­li­gen Abteilungsleit­ern reicht, um eine Über­sicht über die Gesund­heitssi­t­u­a­tion im Betrieb zu erhal­ten. Danach kann bere­its entsch­ieden wer­den, wo Mass­nah­men notwendig und sin­nvoll sind. Kosten­in­ten­sive Analy­sen sind nur in Einzelfällen erforder­lich.

BGM auf der mor­phol­o­gis­chen Basis reduziert die Abhängigkeit der Unternehmen von exter­nen Experten. Die Führungsebene kann sich nach dem ersten Work­shop selb­ständig ein Bild machen und entschei­den, welche Mass­nah­men das Unternehmen eigen­ständig umset­zen kann und welche über externe Dien­stleis­tun­gen eingekauft wer­den sollen.

Faz­it
BGM in KMU ist möglich, bezahlbar und effek­tiv. Durch die Berück­sich­ti­gung der KMU-spez­i­fis­chen Struk­turen kön­nen viele aufwendi­ge, auf Gross­be­triebe zugeschnit­tene Schritte einges­part wer­den. Die Ressourcen von Unternehmen und seinen Mitar­bei­t­en­den wer­den opti­mal genutzt und die Belas­tung des Betriebs wird auf ein Min­i­mum beschränkt. Nicht zulet­zt wer­den auch die Mitbes­tim­mung der Mitar­bei­t­en­den und der betrieb­seigene Wis­sensaus­tausch gefördert. In diesem Sinne leis­tet das Arbeit­en mit der BGM-Karte auch einen wichti­gen Beitrag zur Unternehmen­skul­tur.

Kon­rad Wiesen­dan­ger ist Coach und Berater für betriebliche Gesund­heit­s­the­men und Ergonomie. Gemein­sam mit Samuel Mau­r­er von life­time health GmbH hat er den BGM-Check für KMU entwick­elt.
www.bgm-kmu.ch