Im Inter­view schil­dert Moira Rodri­guez ihren Pro­zess der zurück in das Arbeits­le­ben als Schrei­ne­rin bei der Tre­wag AG in Effretikon.

Schön, lie­be Moira, dass du heu­te zu Besuch bei uns in der Start­ram­pe bist und dich für ein Inter­view bereit erklärt hast. Wie ist es für dich, heu­te hier zu sein? Was war dein ers­ter Gedan­ke, als du die Start­ram­pe betre­ten hast?

Der Weg war schon ein biss­chen krib­be­lig, ich habe mich aber auch sehr gefreut.

Schön! Zunächst zu dir. Könn­test du dich kurz vor­stel­len, dei­nen Betrieb und dei­ne jet­zi­ge Tätigkeit?

Ja klar, ger­ne. Ich heis­se Moira und bin jetzt 25 Jah­re alt. Seit Sep­tem­ber 2024 habe ich eine Fest­an­stel­lung bei der Tre­wag AG. Das ist eine Schrei­ne­rei, die spe­zia­li­siert ist auf Raum­trenn­wän­de. Das heisst auch ein biss­chen ähn­lich, wie ihr es hier in euren Räum­lich­kei­ten in der Start­ram­pe habt. Da geht es dar­um, dass wir in Gross­raum­bü­ros klei­ne­re Büros ein­bau­en oder «Raum in Raum» gestal­ten und ich arbei­te dort in der Schrei­ne­rei. Es ist ein klei­ne­rer Betrieb, ins­ge­samt sind wir mit Mon­teur und Büro um die 15 Personen.

Das klingt gut. Nun geht es heu­te um den Pro­zess bis zu dei­ner Anstel­lung. Wie kam es dazu, dass du die­sen Betrieb mit die­ser Tätig­keit nun wie­der für dich gefun­den hast?

Nach einer län­ge­ren Krank­heits­pha­se in mei­nem dama­li­gen Betrieb kam es im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis zu einer Kün­di­gung. Dar­auf­hin hat­te ich die IV-Anmel­dung gemacht und ich hat­te dann auch rela­tiv schnell ein Erst­ge­spräch mit mei­ner IV-Bera­te­rin. Dort kam dann recht schnell die Opti­on auf, dass ich ein Auf­bau­trai­ning machen könn­te. Zu die­sem Zeit­punkt war mir sowas inhalt­lich noch nicht bekannt, auch von der Start­ram­pe hat­te ich noch nie gehört. Ich habe ver­schie­de­ne Pro­gram­me ange­schaut und mich für die Start­ram­pe ent­schie­den. Schluss­end­lich war es ein Bauch­ge­fühl, wel­ches mir dann gesagt hat «Okay Moira, wenn du das jetzt brauchst, nimmst du das halt mal für eine gewis­se Zeit in Anspruch».

Wie bist du dann gestartet?

Als ich ange­fan­gen habe mit dem Pro­gramm, konn­te ich mir nicht vor­stel­len, dass ich mit dir jetzt so easy ein Gespräch füh­ren wer­de. Ich war sehr schüch­tern und auch sehr zurück­hal­tend. Mein ers­tes Gefühl, als ich hier ankam, die ers­te Woche, war wirk­lich viel. Man bekommt von der Start­ram­pe ein sehr kom­ple­xes Pro­gramm, alles ist durch­ge­plant, was sehr for­dernd war. Auch die vie­len Leu­te waren her­aus­for­dernd, da ich mich zu der Zeit sozi­al ziem­lich iso­liert hat­te. Das war schon ein biss­chen ein «Sprung ins kal­te Wasser». 

Wie ging es dann weiter?

Ein sehr über­zeu­gen­der Punkt war für mich von vor­ne her­ein die Werk­statt. Das ent­spricht natür­lich auch mei­nen Fähig­kei­ten und Lei­den­schaf­ten, wobei ich mir zu die­sem Zeit­punkt eher weni­ger zutrau­te. Und dann das Modul Bewe­gung, hier hat­te ich zu dem Zeit­punkt sehr viel Mühe mich zu moti­vie­ren. Da die­ses dann aber ein fixer Teil mei­nes Pro­gram­mes war, wur­de ich dahin gepusht, was mir wirk­lich sehr gehol­fen hat. Der Grup­pen­spiel­sport fiel mir zu Beginn schwer und am Ende habe ich es sogar am liebs­ten gemacht.

Was mir auch sehr zuge­sagt hat, war die Mit­ar­beit im Unter­halt. Ein­fach draus­sen zu arbei­ten und am Ende des Tages zu sehen, dass ich etwas geschafft habe. Egal, ob ich den gan­zen Mor­gen gejä­tet habe, es hat­te immer einen Effekt. Das habe ich als sehr wert­voll empfunden.

Wür­dest du rück­bli­ckend sagen, dass du etwas gelernt hast, was dir jetzt im Job beson­ders hilft?

Ich glau­be vor allem für mein Selbst­wert­ge­fühl war es ganz ganz wich­tig. Ich habe Fähig­kei­ten in Bezug auf mei­nen jet­zi­gen Job zurück­er­langt, die ich ja eigent­lich immer hat­te, ich mir aber zu dem Zeit­punkt teil­wei­se auch ein­ge­re­det habe, dass ich sie nicht mehr beherr­sche. Durch die Modu­le in der Start­ram­pe habe ich ganz fest wie­der die Sicher­heit zurück­ge­won­nen. Ich konn­te dann hier und da im Modul Arbeit in der Werk­statt auch Tipps an ande­re geben, das habe ich als sehr posi­tiv erlebt. 

Das war die inter­ne Teil­nah­me. Dann ging es ja immer mehr in Rich­tung exter­ner Arbeits­ver­such. Kannst du da ein biss­chen erzäh­len, wie der Pro­zess war hin zu den ers­ten exter­nen Arbeitseinsätzen?

Ich habe das Auf­bau­trai­ning in der Start­ram­pe ein hal­bes Jahr gemacht. Etwa Mit­te des Auf­bau­trai­nings bin ich dann in das Modul Bewer­bung gekom­men. Dort habe ich mein Dos­sier wie­der auf Vor­der­mann gebracht und habe sehr viel Zeit auf Inter­net­sei­ten von Schrei­ne­rei­en ver­bracht. Bei Fra­gen wur­de ich jeder­zeit tat­kräf­tig von Lehr­per­so­nen unter­stützt. Nach Aus­tausch mit mei­ner IV-Bera­te­rin und mei­ner Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin aus der Start­ram­pe haben wir ent­schie­den, dass das Auf­bau­trai­ning noch­mal um 3 Mona­te ver­län­gert wird. Wäh­rend die­ser Zeit habe ich mit den exter­nen Arbeits­ein­sät­zen angefangen.

Als ich gera­de eini­ge Tage in den Feri­en war, habe ich eine Mail von mei­ner Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin aus der Start­ram­pe bekom­men. Mei­ne Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin hat­te Kon­takt mit einer Schrei­ne­rei, wel­che offen war, einen exter­nen Arbeits­ein­satz anzu­bie­ten. Ziem­lich schnell ging ich mich dann dort mit mei­ner Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin vor­stel­len. Ich habe mir die Schrei­ne­rei ange­schaut und gemerkt, dass ich mich noch ziem­lich aus­ken­ne. Das war ein sehr gutes Gefühl für mich, ich fühl­te mich wohl. Nach zwei Schnup­per­ta­gen konn­te ich in die­sem Betrieb ein Arbeits­trai­ning star­ten. Ich war dann noch Mon­tag bis Mitt­woch in der Start­ram­pe und Don­ners­tag und Frei­tag vor­erst einen hal­ben Tag in der Schreinerei.

Im Coa­ching der Start­ram­pe haben wir bespro­chen, dass ich mir ein paar kla­re Rah­men­be­din­gun­gen set­ze, die ich auch in der Schrei­ne­rei bespro­chen habe. Ein wich­ti­ger Punkt für mich war, dass ich indi­vi­du­ell Pau­sen machen kann. Im Nach­hin­ein … Ich glau­be, ich habe es sel­ten gebraucht. Aber es war trotz­dem gut für mein Gefühl, dass ich die­se Opti­on hatte.

Wie lief dein Arbeits­trai­ning wei­ter ab?

Wie schon gesagt, habe ich sehr schnell gemerkt, dass noch ganz viel Wis­sen und Erfah­rung da ist und nicht alles ver­ges­sen gegan­gen ist und vor allem, dass es mir Freu­de macht. Freu­de, die eine lan­ge Zeit ver­lo­ren gegan­gen war. Ich hat­te also im Betrieb eine fes­te Ansprech­per­son und zusätz­lich noch Coa­ching mit mei­ner Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin. Die­se Kom­bi­na­ti­on war für mich super pas­send.  In mei­nem Arbeits­trai­ning hat­te ich zusätz­lich die Auf­la­ge von Inte­gra­ti­ons­be­ra­te­rin und IV, dass ich ein Stress-Tage­buch füh­re. Das war ein Dia­gramm, das ich jede Woche aus­ge­druckt habe. Dort habe ich Punk­te gesetzt, wo mein Stress­le­vel aktu­ell liegt. Und dann auch kur­ze Begrün­dun­gen, wenn es etwas aus­ge­schla­gen hat. Das hat mir sehr gehol­fen. Dar­an konn­te ich sel­ber sehr klar mer­ken, wann ich an der obe­ren Gren­ze bin. Die­ses Tool nut­ze ich bis jetzt.

Wie war der wei­te­re Verlauf?

Im Febru­ar 2024 ist es dann von einem Arbeits­trai­ning in einen Arbeits­ver­such gegan­gen. Die­ser war bei mir auf 6 Mona­te aus­ge­legt. Ich bin noch zusätz­lich ins Coa­ching in die Start­ram­pe gekom­men und hat­te auch jeder­zeit die Opti­on mich zu mel­den, falls ich etwas brau­che oder etwas unklar ist. Und was soll ich sagen: Seit Sep­tem­ber die Festanstellung 😊

Toll, eine rich­ti­ge Erfolgs­ge­schich­te! Gibt es noch einen Rat­schlag, den du einer ande­ren Per­son geben wür­dest, die in einer ähn­li­chen Situa­ti­on ist?

Ja, wei­ter­ma­chen! Das ist ganz wich­tig. Und etwas, das uns wirk­lich allen gut tut, ist die Tages­struk­tur und dass wir eine Auf­ga­be haben. Und mein Rat­schlag wäre, das, was man denkt oder fühlt, nicht zu fest in sich hin­ein­zu­fres­sen. Es gibt hier so vie­le gute Leu­te im Team, die man jeder­zeit anspre­chen kann, und das soll­te man auch nutzen.

Gibt es von dir noch irgend­was, was du noch sagen möchtest? 

Ja, ein­fach noch­mal ein gros­ses Dan­ke an die gan­ze Start­ram­pe. Ihr habt mir die Chan­ce gege­ben, mich wie­der zu fin­den und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Ich habe es als eine gute Zeit emp­fun­den und habe mich sehr gefreut, dass ich das Inter­view mit dir machen darf. Das ganz­heit­li­che Pro­gramm hat mir den Ein­stieg und das nach­hal­ti­ge Dran­blei­ben im Betrieb wirk­lich um eini­ges ein­fa­cher gemacht. Vor allem, dass ich nicht mehr die ver­schlos­se­ne, ruhi­ge Moira bin, son­dern wie­der so… voll prä­sent, voll da, voll ich!